posted by M. on Nov 28

So, auch ich gehe nun zu WordPress.

Erstens: Mehr Features
Zweitens: Anonymer (danke für den Hinweis an – sie weiß schon, dass sie gemeint ist ;-) )
Drittens: Was Neues kann nicht schaden

Ob ich den Blog insgesamt umziehen kann, weiß ich noch nicht. Die Seite hier bleibt auf jeden Fall erhalten, wird aber nicht mehr so “präsent” sein.

Lieber Leser/innen,
ich komme wieder, allerdings weiß ich noch nicht wann und in welchem Outfit. Der Charakter des Blogs wird aber beibehalten. Versprochen.

Bis demnächst dann!

posted by M. on Nov 16

Ab heute werde ich zu jedem neuen Blogeintrag die Frau des Tages küren.

Heute bleibt es allein bei der Kür ohne neuen Eintrag. Es gibt einfach nichts Neues.

Frau des Tages heute:

Catherine Elizabeth Middleton.

posted by M. on Nov 11

Auch Anwälte machen Fehler.

Gut, wenn es dann nicht zu einem Schaden kommt. Denn dann braucht man seine Versicherung nicht. Noch besser, wenn der Mandant trotzdem bleibt und das Mandat nicht kündigt.

Im besten Falle bemerkt den Fehler niemand. Im schlimmsten Falle weist einen der Gegner darauf hin. Das kann peinlich werden…In einem solchen Fall hält man das nur aus, wenn der gestellte Antrag einfach nur überflüssig war. Denn in diesem Fall entsteht kein Schaden. Ärgerlich ist es trotzdem, weil man das dem Mandanten irgendwie erklären muss…

Da ist dann ein Fax, das angeblich nie ankam noch ziemlich harmlos. Allerdings weiß ich bis heute nicht, was mit dem Fax passiert ist. Manchmal ist einfach der Wurm drin.

Womit wir mal wieder bei dem Spruch meines Ausbildungsanwalts wären: “Sagen Sie nie, die Sache sei kein Problem. Denn das wissen Sie vorher nicht!”

Wie wahr!

posted by M. on Nov 3

Heute kontaktierte mich meine frühere Sekretärin aus der ehemaligen Kanzlei. Sie ist auch nicht mehr dort und wohl kurz nach mir gegangen.

Folgender Dialog entwickelte sich am Telefon:

Sie: “Wie geht es Ihnen denn?”
Ich: “Mir geht es sehr gut!”
Sie: “Und mir geht es noch besser!”

Das sagt doch alles, oder? ;-) )))))

Nun ja, sie ist dann die 6. (weibliche) Arbeitskraft, die dort innerhalb von 18 Monaten gegangen ist. 3 Anwältinnen und 3 Leute aus dem Sekretariat.

Damit hätten wir dann eine neue Kanzlei aufmachen können…

posted by M. on Nov 2

Die Pläne mit dem neuen Büro schreiten voran. Der Termin mit dem Makler war okay. Netter Grundrissplan, den wir geringfügig ändern wollen, aber ansonsten super.

Wir? Wer wir?

Der neue künftige Kollege und ich.

Bedeutet konkret, ich werde mich wieder mit jemandem zusammentun. Das Einzelanwaltsdasein ist halt doch etwas einsam auf Dauer und es war ja auch nie mein Ziel, allein zu bleiben. Da wir beide wissen, wie es nicht laufen soll, glaube ich, dass das Projekt ganz gut werden wird. Jedenfalls bleibt es spannend…

Und mein Ex-Kollege kann mich mal!

Als ich vor ziemlich genau 2 Jahren dort war und den Job angeboten bekommen hatte, konnte ich mein Glück kaum fassen. Hatte ich doch nach zahlreichen Bewerbungen schon fast aufgegeben. Das Ganze war damals gut, fühlte sich super an, obwohl ich leise Zweifel hatte, war in diesem Moment aber nicht zu übertreffen.

Das heute ist jedoch so viel besser!!!! ;-)

posted by M. on Oct 26

…wäre es besser, Mandanten würden einfach mal die Klappe halten!

Gestern war also meine erste Strafsache in einer fremden Stadt in einem fremden Gericht.
Mandant kommt kaugummikauend und mit ungebügeltem Hemd zur Verhandlung. Leider hab ich das erst in einer Pause gemerkt, da war’s aber eh schon für fast alles zu spät.

Erster Akt: 08:30 Uhr bis ca. 10:30 Uhr:

Wir verhandeln eine Strafsache. Ein kleineres Verkehrsdelikt, für das es durch den vorangegangenen Strafbefehl eine ziemlich hohe Geldstrafe und 1 Monat Fahrverbot gab. Ich rechne mit einer Verhandlungsdauer von höchstens 2 Stunden.
Mandant und ich hatten uns entschlossen, dass Mandant Äußerungen zur Sache macht, obwohl er das nicht müsste. Seine Version der Geschichte klang immerhin ziemlich plausibel und könnte – wenn sie sich denn beweisen lässt – zu einem Freispruch führen.
Zunächst war alles okay. Blöd nur, dass Mandant seinen wirklichen (und einzigen) Entlastungszeugen nicht aufgetrieben hat und behauptet, er wolle nicht aussagen. Die Richterin deutet an, sie hätte diesen Zeugen zur Aussage zwingen können. Ist mir natürlich auch klar, aber ich wusste ja, dass der Zeuge nicht greifbar ist und habe dem Mandanten vorher natürlich mehrmals klar gemacht, den Zeugen unbedingt zu finden.

Freundin des Mandanten sagt derweil aus. Eigentlich eine Entlastungszeugin. Eigentlich. Nur leider liebte diese Dame ihren Freund wohl so sehr, dass sie sich derart in Widersprüche verstrickt hat, dass nun ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage droht. Die Staatsanwältin wurde da sehr deutlich. Aus meiner Sicht hatte die Zeugin noch Glück. In Bayern wäre sie noch im Gerichtssaal verhaftet worden.

Aber das alles reichte noch nicht.
Die Zeugin trug dann ein Detail vor, das ich bis gestern auch noch nicht kannte.

*Hust* Ähm…okay? Wo ist das Loch im Boden???

Die Richterin fragte hartnäckig nach. Nun, da kann ich dann auch nicht helfen. Ich selbst stellte der Zeugin dann nur noch wenige Fragen, um sie und auch, um meinen Mandanten hier nicht weiter reinzureiten. Besser, die Dame geht jetzt. Besser für alle.

Ich sehe mich in diesem Moment meinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurücknehmen.

Wir unterbrechen die Verhandlung. Ich mache dem Mandanten klar, dass es ihm wenig nützt, wenn er Dinge behauptet, von denen ich bisher nichts wusste. Er wird kleinlaut.

Die Staatsanwältin bietet an, auf das Fahrverbot zu verzichten, wenn wir den Einspruch zurücknehmen. Machen wir.

Zweiter Akt: 10:30 Uhr – 11:10 Uhr:

Kaum sage ich das, sagt Mandant, er möchte das nicht.

Es geht weiter.

Wir hören die anderen beiden Zeugen. Mandant kann sich oft nicht zurückhalten mit Gesten, Äußerungen und weiteren Unverschämtheiten. Ich versinke in meinem Stuhl.

Die Richterin ist genervt.

Nochmal geht es um den nicht präsenten Entlastungszeugen. Die Richterin fragte nochmals nach, ob Mandant ihn ausfindig gemacht habe und betonte, er wisse doch, dass dieser Zeuge ihm einiges nützt. Angeblich fand Mandant diesen Zeugen auch, die Handynummer des Zeugen läge zu Hause.

Ein hörbares Seufzen geht durch den Saal. Auch von mir.

Da sage ich dem Mandanten seit Wochen, wie wichtig dieser Zeuge ist. Dann kommt der Zeuge schon nicht freiwillig (angeblich) und der Mandant bringt noch nicht einmal dessen Kontaktdaten mit. Wie bitte soll ich dann dem Mandanten noch helfen? Wie?

Die Richterin sieht mich fragend?/auffordernd? an. Richtigerweise müsste ich jetzt einen Antrag stellen, den Zeugen zu vernehmen. Ich wusste, dass dies kommen würde. Nein, ich ahnte es. Ich hatte aber keine Lust, diesen Antrag zu stellen, ganz ehrlich. Für was denn auch? Um in ein paar Tagen nochmal das gleiche Theater zu haben??? Ich regte an, den Zeugen zu vernehmen. Die Richterin machte dann den praktischen Vorschlag, dass Mandant die Kontaktdaten des Zeugen von zu Hause holen solle. Das bedeutet nichts anderes als eine Unterbrechnung von einer Stunde!

Ich würde es also nicht bis 13 Uhr nach Hamburg zurück schaffen.
In weiser Voraussicht buchte ich meinen Rückflug erst für den späten Abend. Irgendjemand wusste, warum.

Dritter Akt: 12:15 -12:40 Uhr
Die Verhandlung geht weiter. Mit Mandant. Ohne Kontaktdaten des Zeugen.

*ARGHHHHHHHH*

Das darf nicht wahr sein, oder?

Ich werde wütend!!!! Geäußert habe ich das natürlich nicht, aber durch meine Sitzhaltung etc. klar gemacht, dass ich ebenso genervt bin wie das Gericht. Irgendwo im Hinterkopf habe ich die Erinnerung einer Gebührenregelung des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes, dass die Rechtsanwaltsgebühren sich erhöhen, wenn die Hauptverhandlung länger als 4 Stunden dauert…Irgendwo.

Die Kasse klingelt.

Aus Kostengründen für den Mandanten wäre es jetzt angebracht, den Einspruch zurückzunehmen.
Wir unterbrechen wieder.

Ich mache dem Mandanten klar, dass es hier und heute keinen Freispruch geben wird. Ich zwar auf Freispruch plädieren könne, ich aber nicht viel habe. Solle ich machen. Er will ein Urteil. Gut, soll er haben.

Da stehe ich nun, nach einem durchaus überzeugenden Plädoyer (und eines hohen Strafmaßantrags) der Staatsanwältin und plädiere auf Freispruch. Richterin lächelt milde. Sie weiß, ich darf und kann nicht anders. Die Staatsanwältin schaue ich nicht an. Das erspare ich mir. Antrag. Hinsetzen. Fertig. Geschafft. Fix und fertig.

Vierter Akt: 13:00 bis 13:15 Uhr

Urteil. Kein Freispruch, aber mildere Strafe als im Strafbefehl. Es hat sich also irgendwo gelohnt. Allerdings hätten wir DAS auch einfacher haben können. Nämlich, indem ich den Einspruch auf das Strafmaß beschränkt hätte. Dann wären wir evtl. sogar um eine mündliche Verhandlung herumgekommen. Billiger wäre es auch geworden. Und weniger nervenaufreibend.

Irgendwie hat man bei solchen Verhandlungen das Gefühl, man war als Rechtsanwalt lediglich Begleiter des Urteils und nicht Verteidiger. In diesem speziellen Fall jedoch konnte ich wirklich nicht viel tun. Irgendwie wünschte ich aber, das Urteil wäre nach dem ganzen Drama nicht so milde ausgefallen. Echt jetzt!

posted by M. on Oct 22

Mein Blog wird morgen 3 Jahre alt. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht und wie ich damals gelitten habe. Examensvorbereitung und so.

Heute leide ich auch. Ich bin zwar schon seit über 2 Jahren Anwältin und zähle damit wohl nicht mehr zu den Berufsanfängern, allerdings hab ich noch nie eine Strafsache verhandelt. Ich hab lediglich die Erfahrung aus meiner Referendarzeit und da war ich Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft und stand somit auf der anderen Seite. Am Montag wird es so weit sein. Ich werde einen Mandanten verteidigen. An sich keine große Sache, man weiß aber nie, wie sowas ausgeht. Gut nur, dass die Sache nicht hier vor Ort ist. ;-)

Okay, ich gebe es zu: Ich bin verdammt nervös. Ich versuchte am Dienstag schon, mir einige Verhandlungen anzusehen, das meiste war jedoch nicht öffentlich, sodass ich “nur” einen Mordfall sah. “Nur” deshalb, weil mir die Förmlichkeiten dieses Verfahren für meine kleine Sache nicht viel nützen. Allerdings ging es recht gesittet zu. Oder soll ich gar sagen, langweilig? Der Verteidiger las zwischendrin Zeitung. Was darauf hindeutet, dass er entweder verdammt routiniert ist oder ihm die Sache schlicht egal war, weil er sich mit seinem Mandanten nicht versteht und er nur Pflichtverteidiger ist.

Ich weiß nicht mehr, wie man plädiert. Gott sei Dank hab ich meine Lernunterlagen vom Examen noch. Diesen Ordner hab ich aufgehoben, weil viele Schemata drin sind, die man immer mal brauchen kann. Verteidigerplädoyer, das auf Freispruch abzielt, wurde in der Ausbildung allerdings ziemlich vernachlässigt, wie ich feststellen musste. Na ja, so spektakulär kann’s ja dann nicht sein.

Die Fragen an die Zeugen hab ich mir bereits aufgeschrieben. Dabei habe ich sehr schnell festgestellt, dass man wirklich aufpassen muss, was man wen fragt.

Jedenfalls hoffe ich auf einen guten Ausgang – ich werde berichten. Im Übrigen fliege ich dazu am Sonntag nach HH und am Montagabend zurück. Vielleicht kann ich noch etwas von der Stadt sehen. Ich saß schon lange nicht mehr in einem Flugzeug.

3 Jahre Blog bedeuten auch, dass mein Patensohn S. heute bereits 3 Jahre wurde. Er plappert momentan alles nach, was man ihm sagt und liebt es zu telefonieren. Leider hat er noch nicht ganz verstanden, dass man der anderen Person am anderen Ende der Leitung etwas sagen muss, wenn man mit dieser kommunizieren will. Er scheint zu denken, Kopfnicken und sowas reicht aus. ;-) Vielleicht denkt der Kleine aber auch nur fortschrittlich und ist für die Einführung des Bildtelefons. Ich sollte ihm mal erklären, wie Skype funktioniert. ;-)

Wegen des Gerichtstermins am Montag kann ich nun leider nicht an der offiziellen Geburtstagsfeier am Sonntag teilnehmen. Mein Mann auch nicht, da er ebenfalls beruflich unterwegs ist. Jetzt hat das arme Kind schon 2 Paten und keiner von beiden ist am Geburtstag da. Aber wir holen das nach. Ganz sicher. Versprochen.

Das liebe Wetter geht mir WIRKLICH auf die Nerven. Rückblick: ein Dezember, der zu warm war. Niemand wollte zum letztes Jahr zum Christkindlsmarkt. Ein Winter, der bis April gedauert hat mit sehr viel Schnee und wenig Sonne. Ein verregneter Mai. Ein heißer Juni und Julianfang. Und dann Regen. Regen. Regen. Regen. Noch ein paar schöne Tage im September, die aber kalt waren. Wieder Regen. Und seit ein paar Tagen Frost! Hallo??? Es ist Herbst! Nicht Winter!

Echt jetzt. Nach diesem Sommer sollten wir wenigstens mit einem schönen Herbst und einem milden (!) Winter belohnt werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

posted by M. on Oct 18

Es tun sich Möglichkeiten (oder Abgründe?) auf. 2 Straßen von meiner Kanzlei entfernt, entsteht ein neues Bürogebäude bzw. ist schon fertig. Zum Teil fehlt noch der Innenausbau, was nichts anderes heißt, als dass noch Büros frei sind. Also bin ich mal ein bißchen größenwahnsinnig geworden und hab letzte Woche in meinem Übermut den Makler kontaktiert. Anfragen kostet ja nichts und außerdem wäre es repräsentativ und überhaupt… Viel Glas, direkt an der Hauptstraße, Tiefgarage… Drin war ich auch schon, da unten ein Cafe ist, in dem ich öfters zu Mittag bin.

Schnell kam ich zurück auf den Boden der Tatsachen. Erster Tiefschlag: Es gibt schon einen Anwalt in dem Gebäude.

Makler rief zurück. Zweiter Tiefschlag: Die kleinste Einheit beträgt 105m².

Nein, das geht nicht. Das wären 4 Büros, wer soll das zahlen. Teilen könne man aus Brandschutzgründen wohl nur unter erheblichem Aufwand. Schade. Er würde mir aber Bescheid geben, wenn ein anderer Interessent käme. Ich hätte das Vorrecht.

Schade…

Na ja, da schon Konkurrenz in dem Haus ist und mein Büro zwar nicht vorteilhaft liegt, aber ganz süß ist, nehm ich es hin. Ins Haus kommt ja auch ein Büro, wird’s halt nichts mit der Zweigstelle. Mein Mann meinte, ich solle das noch nicht aufgeben.

Die ganze Zeit redete ich mir ein, dass diese großen Flächen bestimmt nicht so einfach zu vermieten sind und dass es eventuell eine Chance gibt. Irgendwie musste ich mich ja beruhigen. Die Zeit würde es bringen.

Heute (!) kam ein weiterer Anruf des Maklers. Nur 6 Tage später also. Es gäbe eine neue Situation. Ein anderer Interessent sucht auch nur ca. 70m² und man würde jetzt doch teilen wollen. Im Übrigen wären es 130m² gewesen. Es wären dann 2 Büros, WCs, Teeküche und eigener Eingang. Nächste Woche hätte der Architekt den neuen Plan – und ich ein Date mit dem Makler! :-)

Oje, ich kann doch nicht schon wieder meinen Kanzleisitz verlegen! Wobei ich die Telefonnummer sicher nicht ändern lassen müsste.

Das Haus wird übrigens. Noch 10 Wochen bis Jahresende. Äh, NUR noch 10 Wochen bis Jahresende und bis mein Mann aus der Wohnung raus muss. Unser Architekt merkt allmählich, dass wir es eilig haben. Spontan haben wir vorgestern Fliesen reservieren lassen. Es wird. Der Estrichleger will morgen anfangen. Ich glaube es erst, wenn es so weit ist… ;-)

posted by M. on Sep 30

bin ich mittlerweile, sondern auch Strafverteidigerin. Eigentlich wollte ich das nie werden. Okay, ich hab das nach dem Examen mal kurz angedacht, allerdings hab ich nicht umsonst nichts davon auf meiner Internetseite stehen.

Strafrecht?
Ist okay. Akteneinsichten sind immer spannend. Aber mehr? Einstellungsanträge sind auch okay. Doch wehe, diese sind nicht erfolgreich. Ich geb’s zu. Das ist die Angst des Torwarts vorm Elfmeter bzw. die Angst des Strafverteidigers vor der Verhandlung – und nicht zuletzt vor dem Plädoyer.

Demnächst werde ich meine Fähigkeiten diesbezüglich testen können. Nicht hier. Sondern im hohen Norden. Man kann jetzt natürlich behaupten, dass man das mit einem bayerischen Examen da oben schon hinkriegt… ;-) Kann man, muss man aber nicht. Wie war das? Gott gibt uns keine Aufgaben, von denen er weiß, dass…Den Spruch hab ich ja schon öfter gebracht. Ich glaub immer noch dran. Anders wäre diese Berufswelt auch nicht zu ertragen. Obwohl, meistens ist es ja doch ganz lustig. Oftmals zum Kopfschütteln.

Es gibt hilfreiche Bücher. Geschrieben von Anwälten für Anwälte. Mit vielen praktischen Tipps. Aber irgendwie nie das, was man braucht. Ich sag mir immer, wenn irgendetwas nicht in einem Buch steht, dann kann man es gar nicht falsch machen, denn sonst wäre es drin gestanden. Das ist einfach so bei uns Juristen. ;-)

Was ich bis heute jedoch noch nicht verstanden habe, ist der nett gemeinte Hinweis: Nehmen Sie Kontakt mit der Staatsanwaltschaft auf! Gut. Aber was verdammt noch mal heißt das denn konkret???

posted by M. on Sep 28

Die Hartz IV-Sätze werden um 5 Euro erhöht.
Die Sätze des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG) nicht.

Diese sind schon seit Jahren nicht mehr erhöht werden. Dennoch möchte ich hier mal auf hohem Niveau jammern. Was sind schon 5 Euro? Ja, was? Beispiel gefällig?

Es gibt Mandate, bei denen liegt der Gegenstandswert unter 300 Euro. Ist okay, kommt vor, bevorzugt bei Streitigkeiten mit diversen Telefonanbietern. Abrechnen kann der Rechtsanwalt dann regelmäßig 46,41 Euro – brutto versteht sich. Das ist der Satz für eine außergerichtliche Tätigkeit. Übrigens, gleichgültig, wieviele Briefe der Anwalt dann schreiben muss. 5 Euro mehr oder weniger spielen da auch keine Rolle. Einige werden jetzt sagen, warum macht der “dumme” Anwalt denn dann keine Honorarvereinbarung?

Erstens: Weil die Rechtsschutzversicherer nur die gesetzliche Vergütung zahlen.
Zweitens: Sobald der Mandant mitbekommt, dass die gesetzliche Vergütung geringer ist, als der Stundensatz des Anwalts, wird eine derartige Vereinbarung nie und nimmer unterzeichnet oder alternativ die Rechnung halt nicht bezahlt.
Drittens: Sollte es einmal eine Konstellation geben, bei der der Mandant das Anwaltshonorar einklagen kann, bekäme er auch nicht mehr als die gesetzliche Vergütung.

So einfach ist das. Deswegen keine Honorarvereinbarungen bei geringen Gegenstandswerten. Wenn es Kollegen gibt, die das erfolgreich durchsetzen konnten, dann bitte ich um entsprechende Tipps zum weiteren Vorgehen.

Was kann man alles mit 5 Euro machen?
Einkaufen: Bio-Vollkornbrot in Scheiben (99 Cent), Wurst (1,29 ), Butter (1,05 €), passierte Tomaten (35 Cent), Nudeln (39 Cent) = 4,07 €. Den Rest rechne ich mal in Gewürze und Öl um, um aus den Tomaten eine Pastasauce machen zu können.

Was kann der Anwalt für 5 Euro machen?
Ca. 42 Kopien oder 16km zu einem auswärtigen Gericht fahren oder eine Referandarin für eine halbe Stunde arbeiten lassen – oder die Mittagspause im Cafe nebenan verbringen.

Was haben die Hartz IV-Sätze und die Anwaltsvergütung miteinander zu tun? In den meisten Fällen nichts.

Der Vergleich zwischen Hartz IV und den Sätzen aus dem RVG hinkt. Das weiß auch ich. Ich wollte nur einmal darauf aufmerksam machen, dass es Bereiche gibt, in denen 5 Euro viel sind und in denen 5 Euro wenig sind. Irgendetwas wird sich die Bundesregierung schon dabei gedacht haben. Werten will ich das Ganze mal nicht.

Nun ja, ich geh dann mal weiter machen. Mein derzeitiges 46,41 €-Mandat…;-)